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      Selbsthilfe OÖ: OÖGKK unterstützt Eigeninitiativen

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      In Oberösterreich gibt es immer mehr Selbsthilfegruppen: Die Zahl stieg von 22 im Jahr 1990 auf derzeit rund 400 Selbsthilfegruppen und -organisationen. Seit 1990 gibt es auch den „Dachverband der Selbsthilfegruppen“, kurz „Selbsthilfe OÖ“. „Schon immer hat die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse die Wichtigkeit des gemeinnützigen Dachverbands erkannt und seine Tätigkeit unterstützt“, erklärt OÖGKK – Obmann Albert Maringer.

      Als Dachverband unterstützt die Selbsthilfe OÖ Selbsthilfegruppen (SHG) und Selbsthilfeorganisationen. Während Selbsthilfegruppen freiwillige, meist lose Zusammenschlüsse von Betroffenen und deren Angehörigen sind, sind Selbsthilfeorganisationen vereinsmäßig organisiert.

      Selbsthilfegruppen legen das Augenmerk auf die Bewältigung des Lebens mit einer Erkrankung. Die Betroffenen wollen vor allem eine Verbesserung ihrer persönlichen Lebens-situation erreichen und ihre Selbständigkeit und Lebensqualität erhöhen.

      In Selbsthilfeorganisationen sind die Aktivitäten vielfach auch nach außen gerichtet. Sie sehen sich als Interessenvertretung, suchen aktiv die Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich. In beiden Organisationsformen steht der Erfahrungs- und Informationsaustausch im Mittelpunkt.

      „Besonders wichtig für uns ist eine noch stärkere Akzeptanz der Selbsthilfe in der öffentlichen Wahrnehmung“, hält Oskar Meggeneder, Obmann des Dachverbands, fest. „Aus diesem Grund publizieren wir viermal jährlich das Informationsblatt ‚Lichtblick‘ und in Zwei-Jahres-Abständen ein Verzeichnis unserer Selbsthilfegruppen in Buchform.“ Die Termine der Treffen sowie die Kontaktdaten der SHG werden auf der Homepage unter www.selbsthilfe-ooe.at laufend aktualisiert. „Zusätzlich haben wir 2012 die Initiative ‚Selbsthilfefreundliches Krankenhaus‘ gestartet.“

      Gründe, eine SHG aufzusuchen

      Als Anlass eine SHG aufzusuchen, werden am häufigsten drei Beweggründe genannt: „Das ‚Alleingelassensein‘ nach einer Diagnose, das Bedürfnis Hilfe zu erhalten beziehungsweise selbst zu helfen und auch der Wunsch andere Betroffene kennenzulernen. Für viele ist die Gruppe eine wichtige Anlaufstelle und stellt einen Rahmen, um Gleichgesinnte zu treffen, die ihnen zuhören, mit denen sie reden können und die sie verstehen. Vielen ist es auch ein großes Anliegen die oberösterreichische Bevölkerung über ihre jeweilige Krankheit zu informieren“, berichtet Hubert Kehrer, Obmann-Stellvertreter der Selbsthilfe OÖ und Leiter der Selbsthilfegruppe für Leberkranke und Lebertransplantierte OÖ. „Selbsthilfe kann aber eine medizinische oder therapeutische Behandlung nicht ersetzen, sie kann diese aber sinnvoll ergänzen und unterstützen“, betont Kehrer.

      „Wir sind uns der Bedeutung von Selbsthilfegruppen seit langem bewusst und stellen der Selbsthilfe OÖ in unserem Gesundheitszentrum Linz, Garnisonstraße 1a, kostenlos einen Raum für ihre administrativen Arbeiten zur Verfügung. Dort können auch Räumlichkeiten für Gruppentreffen im Raum Linz genützt werden“, sagt OÖGKK-Obmann Albert Maringer. Räume in den Bezirken können über die Kundenservicestellen der OÖGKK vermittelt werden. „Darüber hinaus bieten wir der Selbsthilfe OÖ in jeder Ausgabe unseres Versichertenmagazins ‚Forum Gesundheit‘ gratis einen Anzeigenplatz“, so Maringer. Von der Gesundheitsplattform www.forumgesundheit.at führt ein Link direkt zur Homepage des Dachverbands. „Für die OÖGKK sind die Selbsthilfegruppen ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitssystems: Betroffene können sich austauschen und von ihren Erfahrungen berichten. Dadurch werden sie selbst zu kompetenten Mitarbeitern bei ihrer eigenen Therapie. Und sie erwerben die Gesundheitskompetenz, die sie benötigen, um nicht auf Versprechen zweifelhafter kommerzieller Anbieter hereinzufallen, die Krankheiten als Geschäftsidee betrachten“, so Maringer.

      Voraussetzung für die Teilnahme

      Wichtig ist, dass die Gruppen einen „Schutzraum“ bieten, in dem Offenheit und Vertrauen möglich sind. Selbsthilfegruppen sind keine „Beratungsstellen“, sondern vom Engagement und den Ressourcen ihrer Teilnehmenden abhängig. Sie sind nicht gewinnorientiert: Das gemeinsame Ziel ist es, besser über die Krankheit (Belastung) und deren Behandlungsmöglichkeiten Bescheid zu wissen, zu lernen mit der Erkrankung besser umzugehen und mitunter auch weniger Angst zu haben.

      Voraussetzung für die Teilnahme an einer SHG ist die Bereitschaft- sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich nicht unreflektiert auf das professionelle Gesundheitssystem zu verlassen. Es gibt keine festen Regeln oder gar Vorschriften für den Ablauf der Treffen – jede SHG entwickelt mit der Zeit ihren eigenen Stil, die Inhalte und Arbeitsweisen der Gruppe werden von den Teilnehmenden gemeinsam bestimmt. Eine aktive und kontinuierliche Mitarbeit ist erwünscht und wird erwartet, die Beteiligung am Gespräch darf jedoch keinem Zwang unterliegen. Was in der Gruppe gesprochen wird, wird nicht nach außen getragen – es entsteht ein starkes Gruppengefühl und eine Atmosphäre von Vertrauen und Geborgenheit. Neue, oft verzweifelte Teilnehmerinnen oder Teilnehmer werden von der Gruppe „aufgefangen“. Es wird ihnen das Gefühl gegeben, mit der neuen Situation fertig zu werden, sie lernen ihre eigene Situation zu relativieren und können Strategien für ein erfolgreiches Bewältigungsverhalten entwickeln. Durch Erfahrungsaustausch, Verständnis, Anteilnahme, gegenseitiger Ermutigung und Unterstützung wird innerhalb der SHG ein „Hilfsnetz“ aufgebaut. Die Mitglieder lernen voneinander und miteinander und werden zu „Expertinnen und Experten in eigener Sache“. Sie tun dies ohne professionelle Leitung, aber teilweise mit professioneller Unterstützung, wie etwa bei Krisen. Einige Gruppen, z.B. für Erkrankungen wie Depression, Burnout, Borderline etc. werden ehrenamtlich von Fachleuten begleitet. Auch Fachleute werden immer wieder zu bestimmten Fragestellungen eingeladen. Durch Vorträge von Fachleuten erhalten die Teilnehmenden professionelle Informationen über ihre Erkrankung oder über neue Behandlungsmethoden.

      Nur wenn die Teilnahme an der SHG freiwillig erfolgt, können sich die Vorzüge der Selbsthilfe entfalten und einen Prozess zunehmender Selbstentwicklung bewirken. Viele erleben ihre Krankheit nicht mehr als „Feind“, den es zu bekämpfen und zu vernichten gilt. Sie lernen ihre Erkrankung bzw. Beeinträchtigung in ihre Persönlichkeit zu integrieren, ihr Leben neu zu orientieren, größere Authentizität zu erlangen und können ihrer neuen Lebenssituation so auch viel Positives abgewinnen.

      Entwicklung der Mitgliederzahlen

      Von den zurzeit aktiven 409 Selbsthilfegruppen wurden 114 Gruppen in den Jahren von 1990 bis 1999 gegründet. Bis 2009 kamen 126 Gruppen dazu und bis 2016 noch einmal 169 Gruppen.

      In den vergangenen fünf Jahren wurden jährlich rund 20 neue Gruppen gegründet, aber auch mindestens ebenso viele aus unterschiedlichen Gründen (zu wenig Teilnehmerinnen oder Teilnehmer oder keine Nachfolge der Kontaktpersonen) wieder aufgelöst.

      Aufteilung nach Bezirken (Stand August 2016)

      Weiterführende Informationen

      Quelle: OÖGKK