• Newsletter abonnieren

  • Besuchen Sie uns:

      10 Jahre Palliativstation am Klinikum Wels-Grieskirchen

      1024 1024 lebenswege online

      Seit April 2009 gibt es am Klinikum Wels-Grieskirchen eine Palliativstation zur Linderung von Beschwerden und zur besonderen Betreuung von Patienten mit fortgeschrittenen unheilbaren Krebs- und anderen Erkrankungen. In den zehn Jahren ihres Bestehens konnten mehr als 1.700 Patienten auf der Station betreut werden. Eine besondere Herausforderung aber auch Bereicherung war und ist für das gesamte multidisziplinäre Team aus den Bereichen Medizin, Pflege, Physiotherapie, Psychologie, Diätologie, Sozialarbeit und Seelsorge die im Palliativbereich erforderliche intensive Kooperation.

      Unheilbar kranken Menschen eine umfassende Betreuung geben zu können, das fasst der Begriff „palliativ“ zusammen. Ursprünglich stammt er aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „mit einem Mantel umhüllen“. „Vor zehn Jahren war das für alle eine neue Herausforderung“, blickt Pia Kaltenböck, heute Stationsleiterin der Palliativstation am Klinikum Wels-Grieskirchen, zurück. Unter der ärztlichen Leitung von Josef Thaler und Ingrid Hofinger sowie der Pflegeleitung Beatrix Ensinger wurde damals der Betrieb aufgenommen.

       

      Das deckt die Palliativstation ab

      Die Palliativstation selbst verfügt über zehn Betten für Patienten mit schwerer Symptomatik, die zuhause oder auf der Abteilung nicht zu bewältigen ist. „Dabei stehen die Symptomlinderung, hauptsächlich bei Patienten mit unheilbaren Tumorerkrankungen, Leukämie oder internistischen Erkrankungen, genauso im Vordergrund wie die Gesamtversorgung von körperlichen und seelischen Bedürfnissen“, so Josef Thaler, Leiter der Abteilung für Innere Medizin IV, mit den Schwerpunkten Hämatologie, internistische Onkologie und Palliativmedizin, Nephrologie und Dialyse am Klinikum Wels-Grieskirchen. „Medizin und Pflege arbeiten hier eng mit den weiteren Disziplinen zusammen.“ So werden Patienten und Angehörige auch psychotherapeutisch und psychologisch betreut. Willkommene Abwechslung im Klinikum-Alltag der Betroffenen sind die Physiotherapeuten. Sie helfen den Patienten wieder auf die Beine zu kommen, unterstützen bei Positionswechsel, machen Lymphdrainagen, helfen bei Schwindel und vielem mehr. Das Angebot für die Patienten der Palliativstation ist vielfältig. Auch spirituelle Bedürfnisse werden abgedeckt. Vom ehemaligen ehrenamtlichen Seelsorger Peter Haidinger wurde zum Beispiel das Erinnerungscafé ins Leben gerufen.

       

      In liebevoller Erinnerung

      Gemeinsam mit dem Hospizverein Wels findet am Klinikum Wels-Grieskirchen viermal im Jahr das Erinnerungscafé für die Angehörigen jener Patienten statt, welche auf der Palliativstation oder in Betreuung des Mobilen Palliativteams des Hospizvereins Wels verstorben sind. „Wir feiern das Gedenken in der kleinen Kapelle neben der Palliativstation. Im Anschluss wird Kaffee und Kuchen angeboten“, beschreibt Kaltenböck die Zusammentreffen. Der musikalische Beitrag kommt oft von Mitarbeitern selbst und Musikern aus ihrem Bekanntenkreis. Hier ist Zeit, um ins Gespräch zu kommen, sich der Verstorbenen zu erinnern und ein Stück Trauerarbeit zu leisten. Für jeden Verstorbenen der Palliativstation wird eine Gedenkseite im Erinnerungsbuch gestaltet. „Dieses liegt beim Erinnerungscafé auf und die Angehörigen sind oft sehr berührt von den liebevoll gestalteten Seiten. In diesen Zusammentreffen wird uns immer wieder bewusst, wie wichtig unsere Arbeit für die Hinterbliebenen unserer Patienten ist“, erzählt die Stationsleiterin. „Für sie bleibt der Aufenthalt auf der Palliativstation für immer in Erinnerung, für sie ist es einmalig ihren geliebten Menschen zu verlieren und für sie ist es wichtig eine gute, wertschätzende, liebevolle‘ Begleitung im Sterbeprozess ihrer Angehörigen zu haben.

       

      Mobile Hospizbewegung

      Die Palliativstation arbeitet eng mit den Mobilen Hospizbewegungen zusammen. Können Palliativpatienten entlassen werden, werden sie durch die mobilen Teams zu Hause weiterversorgt. Nur deshalb ist es möglich, die Patienten in die häusliche Pflege entlassen werden. „Die Pflegepersonen geben den Betroffenen die Sicherheit und Unterstützung, die sie benötigen“, so Kaltenböck. Ehrenamtliche Hospizbegleiter besuchen auch die Palliativstation am Klinikum zweimal die Woche. „Sie nehmen sich Zeit, um den Patienten zuzuhören, unruhige Patienten zu beruhigen, einfach da zu sein, wo vielleicht keiner mehr da ist. Diese Unterstützung ist auch für unser Team sehr wertvoll. Wo uns oft die Zeit fehlt, beim Patienten zu bleiben und zuzuhören, ist jemand da, der diese Aufgabe übernimmt.“

       

      Auch ein Lächeln darf sein

      Um den Stationsalltag etwas aufzulockern, gibt es immer wieder Treffpunkte am Gang. „Hier tut sich etwas und die sozialen Kontakte verkürzen den Patienten den Tag“, erklärt Kaltenböck. „Unruhige, desorientierte Patienten nehmen wir mit zum Stützpunkt. In unserer Anwesenheit sind sie oft ruhiger und beschäftigt.“ Regelmäßig werden auch die Cliniclowns auf der Station erwartet. „Wie vielleicht manch anderer nun auch, war ich anfangs genauso skeptisch. Aber für viele Patienten ist es eine schöne Abwechslung. Sie werden für kurze Zeit von ihren Sorgen und Ängsten abgelenkt und können lachen, dem Alltag entfliehen.“ Auch feierliche Anlässe, wie Geburtstage und Hochzeiten, werden auf der Palliativstation gefeiert. „Hat ein Patient während seines Aufenthaltes bei uns Geburtstag, ist es wahrscheinlich, dass es sein letzter ist. Daher ist es uns sehr wichtig, diesen Anlass zu feiern. Wir bestellen eine Torte und singen ein Lied mit den Patienten. Diese Aufmerksamkeit wird immer sehr geschätzt.“ Auch bereits zwei Hochzeiten wurden auf der Welser Palliativstation gefeiert. Für beide Brautpaare war es ein wichtiger Schritt und ein großes Ereignis um dann mit dem Leben abschließen zu können.

       

      Weiterführende Informationen:

      • durchschnittliches Alter der Palliativpatienten: 71 Jahre
      • Verweildauer im Durchschnitt: 14 Tage
      • Von den rund 1.700 Palliativpatienten der letzten zehn Jahre sind ca. 1.000 auf der Palliativstation verstorben.
      • Unterschiedliche Faktoren machen es möglich, dass heute 50 Prozent aller Krebspatienten geheilt werden können, zum Beispiel durch eine frühzeitige Diagnosestellung oder optimierte Behandlungsmethoden.
      • Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium ist eine verbesserte Lebensqualität, einhergehend mit Lebensverlängerung, bemerkbar.
      • Die Grundversorgung von Palliativpatienten übernehmen im Akutbereich die Krankenhäuser, zum Beispiel auf den Palliativstationen, im Langzeitbereich Alten-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen in stationären Hospizen.
      • Die Versorgung im Familienbereich unterstützen niedergelassene Ärzte, mobile Dienste und Therapeuten.
      • Weitere Hilfeleistungen kommen von Hospizteams, Palliativkonsiliardiensten und mobilen Palliativteams.

      Quelle: Klinikum Wels-Grieskirchen

      Bildhinweis: Nik Fleischmann