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      Mit Herz und Sinn – Ich pflege, weil…

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      Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Pflege haben etwas, das sie in ihrer täglichen Arbeit antreibt. Sei es allein die Tatsache, im Pflegebereich zu arbeiten und hilfebedürftige Menschen zu betreuen und zu versorgen.

      Im Interview mit Diplomkrankenpflegerin Christa Fischer haben wir sie nach ihren persönlichen Beweggründen und ihrem persönlichen Engagement gefragt. Sie arbeitet im Haus Bruderliebe der Kreuzschwestern Europa Mitte in Wels.

      Christine Fischer DGKP mit Bewohnerin

       

      Was war Ihr Traumberuf während der Kindheit?

      Schon in meiner Kindheit war es mein Traum, Krankenschwester zu werden. Ich hatte Probleme mit meinen Augen und war dadurch oft im Krankenhaus. Eigentlich habe ich mich vor jedem Termin gefürchtet, aber genau in dieser Zeit ist mein Wunsch und das Ziel, Krankenschwester zu werden, entstanden.

      Welche Schul- und pflegerische Ausbildung haben Sie?

      Ich habe 1980 mit der Krankenpflegeschule in Wels begonnen und diese drei Jahre später mit dem Diplom abgeschlossen. In den folgenden 12 Jahren habe ich großteils im Bereich der Onkologie gearbeitet. Zwischendurch sammelte ich jeweils ein Jahr Erfahrung auf der Nephrologie im AKH Wien und auf der Herzüberwachung in Wels. Außerdem wurde es mir vor einigen Jahren in der Bruderliebe ermöglicht, eine Zusatzausbildung in Palliativpflege zu machen. Der Berufsalltag in den Bereichen, in denen ich arbeiten durfte, ist sehr fordernd und bereichernd, stark und schön, voller Tiefgang, Freude und Erfüllung. Das Starke ist vom Schönen nicht zu trennen. Man macht viele Erfahrungen mit dem Leben, mit Leid, Schmerz und Tod. Man muss schon gefestigt sein und in einem guten Team arbeiten, um dem standhalten zu können. Doch an neuen Herausforderungen kann man, wenn man sich der jeweiligen Situation offen und ehrlich stellt, auch persönlich wachsen. Eine gute Ausbildung, Fortbildungen und der vielfältige, ehrliche Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen lassen einen dabei reifen und wachsen. Ich finde es wichtig, Ziele vor Augen zu haben. Das meine ich nicht unbedingt nur beruflich, sondern vor allem auch persönlich: Wer möchte ich sein? Was möchte ich für andere sein? Welche Werte sind mir wichtig? Wovon lasse ich mich selbst prägen? Für mich wurde eine tiefe Verankerung im Glauben für den Umgang mit leidenden Menschen und schweren Situationen tragend – Welche Vorbilder habe ich? Was macht mir Freude und wo sind meine Grenzen? Gehe ich den richtigen Weg? Die letzte Frage kann ich für mich mit einem klaren Ja beantworten. Eines meiner Ziele, sowohl während meiner Arbeit im Krankenhaus als auch jetzt in der Bruderliebe ist es, den Menschen neben einer guten Pflege, das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Sie sollen sich öffnen können und dürfen, so wie sie sind, mit all ihren Bedürfnissen.

      Wie schaut es privat aus? Sind Sie verheiratet? Haben Sie Kinder?

      Lacht – ich habe 15 Jahre lang sehr intensiv mit viel Freude und Verantwortung als Krankenschwester gearbeitet. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt und gewusst: Der ist es! Wir haben geheiratet und eine Familie gegründet. Ich habe fünf Kinder ganz schnell hintereinander bekommen, die jetzt zwischen 18 und 23 Jahre alt sind. Dank meiner Familie wurde mein gesamtes bisheriges Leben auf den Kopf gestellt. Nach meinen drei Kindern habe ich mir überlegt nebenbei eine Palliativ-Ausbildung zu machen, aber es ist anders gekommen und ich wurde nochmals mit Zwillingen schwanger. Ich habe mich dann 15 Jahre lang intensiv um meine Kinder gekümmert und es war eine wunderbare Zeit, die mich auch wieder persönlich sehr geprägt hat und mich neu wachsen ließ. Mein Leben war immer sehr intensiv.

      Nach der intensiven Familienzeit haben Sie sich für einen Beruf in der Altenpflege entschieden? Warum?

      Nach 10 Jahren ist mir die berufliche Zeit total abgegangen, aber mit fünf Kindern war es klar, dass mein Platz zu Hause war. Ich bin dann mit 47 wieder ins Berufsleben eingestiegen. Entschieden habe ich mich für den pflegerischen und sozialen Bereich, weil ich sehr gern mit älteren Menschen zusammen bin und arbeite. In jedem dieser Menschen begegnet mir so eine Fülle an gelebtem Leben, an Prägungen, an Erfahrungen, an Einmaligkeit. Im Pflegen und Begleiten von Menschen habe ich das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun – etwas sehr Positives für mich.

      Was macht Ihnen an Ihrem Beruf Spaß?

      Schwierige Persönlichkeiten (lacht). Ich habe Menschen einfach gern und liebe die Herausforderung. Auch wenn ältere Menschen manchmal sehr unzugänglich und eigen sind, versuche ich ihre Geschichte zu erfahren. Zu verstehen, warum sie sich so verhalten und dann eine Nähe aufzubauen. Ganz langsam, behutsam zum Beispiel während der täglichen Pflege ins Gespräch zu kommen. Man muss jeden so nehmen, wie er ist, dort abholen, wo er gerade persönlich steht, jedem ein zu Hause schaffen. Wenn ich dann das Vertrauen eines Bewohners gewonnen habe, ich ihn besser verstehe in seinen Ängsten und Unsicherheiten, dann macht das für mich meine Arbeit sinnvoll und freut mich sehr.

      Welche Eigenschaften sollen junge Nachwuchspflegekräfte mitbringen?

      Eine Eigenschaft, die junge Nachwuchspflegekräfte meiner Meinung nach für den Beruf mitbringen sollten, ist zuallererst, dass sie gerne mit Menschen umgehen und sie gern haben. Daneben sind natürlich Motivation, Lernfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Ehrlichkeit, eine gute Portion Hausverstand und ein respektvoller und liebevollerer Umgang mit den Bewohnern, aber auch untereinander im Team sehr wichtig.

      Sind Familie und Pflegeberuf miteinander vereinbar?

      Mit einem Ehemann oder Partner, der diesen Beruf mitträgt und einen dabei unterstützt, geht das sehr gut. Natürlich, man muss sich auch gut organisieren können. Auch in der Pflege ist Vereinbarkeit möglich! Ich finde, der Pflegeberuf in seinen vielen Facetten ergänzt sich wunderbar mit einem Familienleben Es kommt dann aber auch auf die Organisation der Führungskraft und des Teams an! Zudem ist ein gutes, wohlwollendes Miteinander im Team wichtig, um gut und gerne arbeiten zu können. Durch gute Rahmenbedingungen, wo jeder Mitarbeiter auch Dienstplanwünsche äußern kann, wird dieses sehr gefördert. Bei uns ist das so und dafür bin ich sehr dankbar. Ich arbeite 25 Wochenstunden und habe die Wochenenden frei. Das wurde exakt auf meine Bedürfnisse angepasst, da ich sonst nicht hier arbeiten könnte. Es ist sehr wichtig, sich über die eigenen Bedürfnisse und Grenzen im Klaren zu sein, um schon im Vorfeld mit der Leitung und dem Team abklären zu können, was für einen möglich und was nicht möglich sein wird.

      Sind sie stolz auf Ihre Arbeit und den Weg, den Sie gegangen sind?

      Ich möchte es etwas anders ausdrücken. Ich freue mich sehr über meinen bisherigen Weg und bin sehr dankbar, diesen Weg gehen zu dürfen. Mein Mann und meine fünf Kinder machen mich sehr glücklich und meine berufliche Tätigkeit füllt mich zusätzlich aus – das macht mich einfach froh. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich alles genauso noch einmal machen.

      Vielen Dank für das nette Gespräch!

      Quelle: lebensWEGE

      Bildhinweis: Nik Fleischmann